Arbeitskreis „Phytotherapie“
Pflanzen
(von griechisch „phytön“ = Gewächs)
waren jahrhundertelang nahezu die einzigen Heilmittel und
die ersten Grundstoffe zur Herstellung von Arzneien.
Ein erster Anbau von Heilpflanzen erfolgte bereits
im 6. Jahrtausend v. Chr. in Indien und China. Ein ägyptischer Papyrus aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts v. Chr. erwähnt etwa 700 Substanzen tierischer und pflanzlicher Herkunft, darunter Anis, Kümmel, Leinsamen und Hanf. Dioskurides verfaßte um 100 n. Chr. eine fünfbändige Arzneimittellehre, in der 600 Heilpflanzen beschrieben wurden und die bis in das 16. Jahrhundert für sämtliche Arzneibücher maßgeblich war.
Claudius Galenus (auch Galen genannt, 129-201 n. Chr.), der Leibarzt des römischen Feldherrn Marc Aurel, benutzte ebenfalls viele Pflanzen, die noch heute von medizinischem Interesse sind, wie Schafgarbe, Meerzwiebel, Süßholz und Weidenrinde. Er stellte Regeln für die verschiedenen Arten der Arzneizubereitung auf und wurde damit zum Begründer der Lehre von den Arzneiformen, die nach ihm Galenik genannt wird.
Im 15. und 16. Jahrhundert - einer "Blütezeit" der Pflanzenheilkunde - begann die systematische Betrachtung. Paracelsus (1493-1541) beschrieb Heilpflanzen in seinem Werk "Herbarius", und in den ebenfalls aus dieser Zeit stammenden Kräuterbüchern von Leonhard Fuchs und Hieronymus Bock wurden Heilpflanzen mit geradezu fanatischer Exaktheit dargestellt. Ende des 16. Jahrhunderts wurde das wohl umfassendste Werk westlicher Kräutermedizin veröffentlicht.
Phytotherapie wurde von dem französischen Arzt Henri Leclerc begründet. Er prägte den eigentlichen Begriff Phytopharmakon und nahm eine Unterteilung der Phytotherapie mit 2 unterschiedlichen Ansätzen vor:
- So widmet sich die naturwissenschaftlich orientierten Phytotherapie den einzelnen Inhaltsstoffen und deren physiologischen und pharmakologischen Wirkungen.
- Die erfahrungsheilkundlich orientierte Phytotherapie verfügt über umfangreiches Wissen im Hinblick auf die traditionelle Anwendung von Heilpflanzen. Sie legt Wert darauf, die Pflanze in ihrer Gesamtheit zu erfassen und bezieht Wissen aus der Mythologie und Signaturenlehre in eine ganzheitliche Betrachtung der Heilpflanzen ein.
So wurden z.B. aus äußeren Zeichen (Signatur) von Form und Farbe die Anwendungsgebiete abgeleitet: Schöllkraut wurde z.B. bereits im antiken Griechenland wegen seiner gelben Farbe bei Gelbsucht, Leber- und Gallenerkrankungen angewendet, eine Indikation, die sich bis heute erhalten hat.
Moderne Definition
Nach heutigem Verständnis handelt es sich bei der Phytotherapie um eine besondere Methode zur Behandlung und Vorbeugung von Krankheiten und Befindlichkeitsstörungen durch Einsatz von
- Pflanzen
- Pflanzenteilen
- und/oder deren Zubereitungen
Die resultierenden sog. Phytopharmaka bilden also als Mehr- und Vielstoffgemische eine wirksame Einheit. Wir definieren also Phytopharmaka als Mehrstoffgemische pflanzlichen Ursprungs mit pharmakologischer Wirkung.
Die Bedeutung von Phytotherapeutika nimmt aufgrund ihrer zunehmend fundiert untersuchten und nachgewiesenen Wirkungen, besonderen Wirkungsweisen und Spezifitäten aktuell ganz besonders zu.
Neueste Forschungsergebnisse, Anwendungsbeobachtungen und mechanistische Untersuchungen zu Phytotherapeutika werden in dieser Projektgruppe vorgestellt und diskutiert, aber auch kritisch hinterfragt.
Kontaktwünsche, Beiträge sowie Vorschläge zum Thema sind unter info@igkmed.org gerne und jederzeit willkommen.